Was ist Freimaurerei?

 

Unser Wirken nach innen

 

Die Antwort auf die Frage, „was ist Freimaurerei“, ist nicht einfach zu geben, da es nicht den „guten Freimaurer“ an sich gibt, sondern die Aufgaben und Lehren, die der Einzelne aus seiner Beschäftigung mit der Freimaurerei ziehen kann, individuell höchst unterschiedlich ausfallen können. Insofern ist dieser Versuch nur eine von vielen möglichen Antworten und kann mit Bestimmtheit nicht für die Gesamtheit der Freimaurer sprechen.

 

WAS IST FREIMAUREREI

Die zentrale Aufgabe des Freimaurers ist die Arbeit am rauen Stein - sich selbst. Diese Aufgabe - die mündige Gestaltung des eigenen Lebens - soll für ihn einen lebenslangen, bewussten und selbst bestimmten Prozess darstellen. Dies geht aus von einem Menschenbild, dass die Freiheit des Individuums ebenso betont, wie die Verantwortung, die es für seine direkte Umwelt trägt. Werte zu haben ist die eine Sache, danach auch zu leben eine Aufgabe.

Freimaurerei vermittelt keine Religion, keine Heilslehre, kein Versprechen von Glück oder Erfolg. Statt auf Inhalten, die es zu glauben gilt, basiert sie auf Allegorien, Werkzeugen und Symbolen, die von jedem einzelnen mit Inhalt gefüllt werden müssen.

Freimaurerei ist insofern ein durchaus auch spiritueller Weg der Arbeit an sich selbst und seiner Beziehung zur Welt, der sich dadurch auszeichnet, dass er nicht Antworten vorgibt, sondern Fragen stellt. Die freimaurerische Arbeit ist mehr als narzistische Selbstbespiegelung, das Verhalten im Alltagsleben bildet den eigentlichen Prüfstein der eigenen Entwicklung.
 

DIE LOGE

Den Rahmen hierfür bietet die Loge: die Gemeinschaft von Männern, die an sich, anstatt an dem anderen arbeiten; die sich darauf festgelegt haben den anderen in seiner Andersartigkeit und mit seinen Fehlern wie einen Bruder anzunehmen, ihm Toleranz und Akzeptanz entgegenzubringen und den Punkt zu suchen, an dem man von ihm lernen kann.

Der große Zulauf zu Internet-Communitys zeigt, dass das Bedürfnis nach Gemeinschaft als Forum für den Gedankenaustausch weit verbreitet ist; wir ziehen der virtuellen Community die konkrete Gemeinschaft vor. Diese ist weit weniger unverbindlich, bringt ganz reale Pflichten und Verantwortungen mit sich und ist, wenngleich ein Ausstieg jederzeit möglich ist, darauf angelegt, die Brüder für den Rest ihres Lebens aneinander zu binden.

Logen gibt es in fast jeder größeren Stadt; sie agieren weitestgehend unabhängig unter der Führung ihrer gewählten Meister und sind organisiert in Großlogen, die sich als eine Art Dachorganisation, um die gemeinsame Belange und die Anschlussfähigkeit der Einzellogen kümmert. Die Logen sind gehalten über ihre Finanzen nach ähnlichen Regeln Rechenschaft abzulegen, wie sie für einen eingetragenen Verein gelten.

 

DIE WELTWEITE BRUDERKETTE

Brüderliche Verbundenheit geht weit über die engen Grenzen persönlicher Beziehungen in der eigenen Loge hinaus. Freimaurer und ihre Logen gibt es rund um den Erdball, und in all ihrer Unterschiedlichkeit verbinden uns die selben Aufgaben die wir an uns stellen.

Freimaurer sehen sich als Teil einer weltweiten Kette von Brüdern, denen sie die gleiche Aufmerksamkeit und Toleranz schulden.


DIE GESCHICHTE

Die Freimaurerei entwickelte sich ursprünglich aus den mittelalterlichen Dombauhütten, die zu ihrer Zeit als Ort von religiösen Denkverboten unabhängiger Bildung gesehen werden können. Obschon unsere Gründung als Freimaurerei, wie wir sie heute kennen, auf das Jahr 1717 zurückgeht, in dem die Regeln festgehalten wurden, die für uns bis heute bindend sind, geht unsere Geschichte sehr viel weiter zurück.

Die Form unserer Beziehungen und die Art der Organisation lassen sich in den Begriffen der frühen Aufklärung beschreiben: eine Gemeinschaft von Gleichen und Freien, über die Grenzen von Herkunft, Stand & Religion hinweg. Verschwiegenheit und Nichtöffentlichkeit bildeten hier den Schutzraum, in dem Gedanken geäußert werden konnten, die zu frei waren für ihre Zeit, und Loge und Brüder vor Verfolgung und Repressalien schützten.

 

DAS RITUAL

Wenn die Arbeit an sich selbst die zentrale Aufgabe des Freimaurers ist, dann ist das gemeinsame Ritual das Zentrum des Lebens in der Loge. Natürlich gilt auch für uns die triviale Wahrheit, dass die Ausübung eines Rituals – etwas gemeinsam auf die gleiche Weise zu tun - das Gefühl von Zugehörigkeit und Gemeinschaft stärkt, was z.B. dann besonders augenfällig wird, wenn man eine Logenarbeit in einem fremden Land besucht. Sie bietet dem Einzelnen aber auch Raum den Alltag der profanen Welt hinter sich zu lassen, für Meditation oder auch spirituelle Einkehr.

Vor allem ist das Ritual aber für uns der Ort, an dem wir den Aufgaben und Fragen begegnen, die die Freimaurerei an uns stellt. Das freimaurerische Ritual verzichtet dabei bewusst auf für alle verbindliche Dogmen und Lehrsätze, sondern findet durch die Verwendung von Allegorien und Symbolen eine Bildsprache, die es dem Einzelnen erlaubt, seinen eigenen Weg einzuschlagen. Dieser beinhaltet kein schnell konsumierbares Patentrezept, sondern erschließt sich erst nach und nach, wenn man ihn mit Inhalt füllt, indem man ihn lebt.

Die Tatsache, dass die darin verkörperten Erkenntnisse und Aufgaben stufenartig auf einander aufbauen, ist wohl mit ein Grund, warum wir unsere Rituale auch heute noch als Geheimnis behandeln.

 

WER SIND FREIMAURER

Es gibt lange Listen mit den Namen von Freimaurern, die in der Geschichte großes geleistet haben, oder zu Ruhm und Ansehen gekommen sind, und die jeder kennt. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man weder für den Nobelpreis nominiert, noch reich oder berühmt sein muss, um Freimaurer zu sein. Die Loge vereint Mitglieder aus allen Berufsgruppen, Einkommensschichten und Teilen der Welt als Gleiche unter Gleichen.

Geeint durch die gemeinsame Arbeit, bietet uns die Heterogenität der Erfahrungshorizonte, verschiedenen Religionen und verschiedensten religiösen Anschauungen unserer Mitglieder die Chance für die Auseinandersetzung mit einer großen Bandbreite persönlicher Ressourcen von Weisheitswissen, Perspektiven und Ansätzen.

Der Glaube an etwas Höheres, unabhängig von Bekenntnis oder Religion, gilt uns ebenso als Vorraussetzung, wie das Bemühen sein Leben nach seinen Werten führen und fortgesetzt an sich arbeiten zu wollen. Wer sich dagegen wirtschaftliche Vorteile erhofft, oder nicht Willens ist, eine langfristige Bindung einzugehen, ist bei uns falsch und wird kaum Chancen haben aufgenommen zu werden.